„Ohne Zustimmung ist es Vergewaltigung“ Frankreich wird Vergewaltigung im Strafgesetzbuch endlich als sexuelle Handlung ohne Zustimmung definieren

Frankreich hat einen historischen Schritt in der Gesetzgebung gegen sexuelle Gewalt getan und zum ersten Mal das Konzept der Einwilligung als zentrales Element der Definition von Vergewaltigung in sein Strafgesetzbuch aufgenommen. Die Assemblée nationale stimmte dem Gesetzentwurf mit überwältigender Mehrheit zu: 155 von 186 Ja-Stimmen, während die extreme Rechte dagegen war. Es wird nun erwartet, dass der Senat die Reform mit einer für den 29. Oktober geplanten Abstimmung bestätigt. Wenn das Ergebnis dasselbe ist, wird das Gesetz einen wichtigen Meilenstein im Opferschutz und bei der Gestaltung einer neuen sozialen Kultur rund um Sexualität darstellen.

Eine Referenz für Italien

Der Fokus auf Konsens hat auch in der italienischen Debatte Einzug gehalten. Die Anwältin Stefania Crespi vom Rechtsteam von Donne x Strada betont: „Jahrelang hat Amnesty International dafür gekämpft, den Begriff ‚gegen Einwilligung' in die italienische Gesetzgebung aufzunehmen. In Italien wurde ein Gesetzentwurf vorgelegt, um Artikel 609bis des Strafgesetzbuches zu ändern und den Satz „bei fehlender Zustimmung“ einzufügen. Es stimmt, dass die Worte ‚mit Gewalt', ‚Androhung oder Missbrauch von Autorität' und ‚Gewalt' einen Mangel an Zustimmung bedeuten, aber ich glaube, dass eine ausdrückliche Einführung einen echten Fortschritt in Bezug auf den Opferschutz bedeuten könnte.“

Was hat sich im französischen Strafgesetzbuch geändert

Derzeit wird in Artikel 222-22 des französischen Strafgesetzbuches die Einwilligung nicht als Schlüsselkriterium für die Definition sexueller Gewalt erwähnt. Dies hat eine Grauzone geschaffen, in der das Schweigen oder die mangelnde Reaktion eines Opfers fälschlicherweise als Zustimmung interpretiert werden könnten. Nach dem neuen Gesetz wird Vergewaltigung als „sexuelle Handlung ohne Einwilligung“ definiert, und die Einwilligung wird eindeutig als „kostenlos, informiert, spezifisch, vorab und widerrufbar“ beschrieben. Das Gesetz legt auch fest, dass das Schweigen oder der Mangel an Widerstand eines Opfers niemals als Zustimmung angesehen werden können. Laut Marie-Charlotte Garin, der Abgeordneten, die die Reform unterstützt hat, „Wenn es kein Nein ist, heißt das nicht, dass es ein Ja ist; und wenn es ein Ja ist, muss es ein echtes Ja sein. Nachgeben wird nicht mehr als Zustimmung betrachtet.“ Ihre Kollegin Véronique Riotton von der Renaissance-Gruppe fügte hinzu, dass der Gesetzentwurf „eine klare Botschaft an die Gesellschaft sendet: Wir bewegen uns von der Vergewaltigungskultur zur Zustimmungskultur“. Die Ministerin für Gleichstellung der Geschlechter, Aurore Bergé, betonte, dass die Reform „ein grundlegender Schritt ist, um sicherzustellen, dass das Gesetz die Achtung der sexuellen Selbstbestimmung widerspiegelt“.

Der Fall Pelicot und die Dringlichkeit von Reformen

Die Debatte über die Zustimmung in Frankreich verschärfte sich nach dem Fall Gisèle Pelicot, der 2024 abgeschlossen wurde. Pelicot berichtete über ihren Ehemann Dominique, der sie fast ein Jahrzehnt lang unter Drogen setzte und sie von Dutzenden von Männern vergewaltigen ließ. Er filmte die Angriffe und organisierte sie über Online-Foren. Der Prozess führte zur Verurteilung von 51 Personen, darunter ihr Ehemann, der die Höchststrafe von 20 Jahren Gefängnis erhielt. Gisèle Pelicot verzichtete auf ihre Anonymität und erklärte, sie wolle das Schweigen brechen, das die Opfer oft umgibt, und bekräftigte, dass „Scham ihr Gesicht verändern muss“. Der Fall zeigte, wie notwendig es war, das Konzept der sexuellen Einwilligung gesetzlich einzuführen, da die französische Justiz bisher in einer Grauzone operierte, die Straflosigkeit bei anhaltender oder erzwungener sexueller Gewalt ermöglichen konnte.

Ein kultureller und rechtlicher Wandel

Die französische Initiative ist Teil einer breiteren europäischen Bewegung. Länder wie Schweden, Spanien, Deutschland, Belgien und die Niederlande haben bereits ähnliche Gesetze eingeführt, die als „Zustimmungsgesetze“ oder „Nur ja heißt ja“ -Gesetze bekannt sind und eindeutig festlegen, dass nur eine ausdrückliche und freiwillige Vereinbarung eine sexuelle Handlung legitim macht. In Schweden ist ein solches Gesetz seit 2018 in Kraft und dient als Vorbild für viele europäische Rechtssysteme. Die französische Reform ist nicht nur symbolisch; sie zielt darauf ab, die soziale Wahrnehmung sexueller Gewalt grundlegend zu verändern und die Diskussion von der Schuldzuweisung auf die Achtung der Autonomie und des Willens derer zu verlagern, die Opfer von Missbrauch werden. Véronique Riotton erklärte: „Dieses Gesetz ist nicht nur eine rechtliche Frage, sondern eine kulturelle Botschaft: Zustimmung ist die Grundlage jeder sexuellen Beziehung.“

Die nächsten Schritte und die erwartete Abstimmung im Senat

Da die Zustimmung des Senats am 29. Oktober erwartet wird, wird Frankreich ein Gesetzgebungsverfahren abschließen, das die Art und Weise, wie sexuelle Gewalt im Land beurteilt und wahrgenommen wird, radikal verändern könnte. Wenn das Gesetz bestätigt wird, wird es als Vorbild für andere europäische Nationen dienen, die in dieser Frage immer noch hinterherhinken. Ein starkes Signal dafür, dass die Rechte der Opfer und die sexuelle Einwilligung zu zentralen Säulen sowohl des Strafrechts als auch der sozialen Kultur werden.

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