
Die Toskana verabschiedet das erste regionale Gesetz über das Sterberecht Eine historische Abstimmung
Die Toskana ist offiziell die erste Region Italiens, die medizinisch assistierten Selbstmord reguliert. Der Regionalrat billigte das Gesetz mit 27 Ja-Stimmen der Demokratischen Partei (PD), der Fünf-Sterne-Bewegung (M5S), Italia Viva und der Gemischten Fraktion, während 13 Gegenstimmen von Mitte-Rechts-Parteien kamen. Die PD-Stadträtin Lucia De Robertis entschied sich, nicht an der Abstimmung teilzunehmen.
Der Staat des assistierten Suizids in Italien
In Italien ist medizinisch assistierter Suizid nach wie vor ein sensibles und umstrittenes Thema, das in erster Linie durch eine sich entwickelnde Rechtsprechung und nicht durch ein spezielles nationales Recht geregelt wird. Derzeit gibt es keine spezifischen Gesetze, die diese Praxis regeln, aber verschiedene Urteile des Verfassungsgerichts haben Präzedenzfälle geschaffen, die einige Ausnahmen zulassen.
Der aktuelle Rechtsrahmen
Beihilfe zum Suizid ist eine Straftat gemäß Artikel 580 des italienischen Strafgesetzbuches, die mit schweren Strafen zwischen 5 und 12 Jahren Gefängnis geahndet wird. Bestimmte Gerichtsurteile haben jedoch Ausnahmen eingeführt. Eines der bedeutendsten ist das Urteil des Verfassungsgerichts Nr. 242/2019 (der Fall Cappato-Dj Fabo). 2019 entschied das Gericht, dass Beihilfe zum Selbstmord nicht strafbar ist, wenn die folgenden vier Bedingungen erfüllt sind:
- Der Patient leidet an einer irreversiblen Erkrankung.
- Sie erleben unerträgliches körperliches oder psychisches Leid.
- Ihr Leben wird durch lebenserhaltende Behandlungen aufrechterhalten.
- Sie sind voll und ganz in der Lage, freie und informierte Entscheidungen zu treffen.
Das Gesetz „Liberi Subito“
Zurück in die Toskana. Das neu verabschiedete Gesetz mit dem Titel „Liberi Subito“ („Sofort kostenlos“) ist das Ergebnis einer Petition mit über 10.000 Unterschriften, die von der Luca Coscioni Association gefördert wurde. Die Gesetzgebung sieht klare Regelungen für den Zugang zu medizinisch unterstütztem Suizid vor und entspricht damit dem Urteil des Verfassungsgerichts von 2019. Einer der wichtigsten Aspekte ist die Einrichtung einer ständigen multidisziplinären Kommission innerhalb jeder lokalen Gesundheitsbehörde (Azienda USL). Diese Kommission wird beurteilen, ob ein Patient die Anforderungen für assistiertes Sterben erfüllt. Die Entscheidung muss innerhalb von 20 Tagen nach dem Antrag getroffen werden, und wenn sie genehmigt wird, muss das Verfahren innerhalb weiterer 10 Tage festgelegt werden.
Reaktionen und Kontroversen
Eugenio Giani, Präsident der Region Toskana, betonte die Bedeutung dieser Entscheidung und nannte sie ein starkes Signal für das Land. Er äußerte die Hoffnung, dass dieser Schritt die italienische Regierung dazu ermutigen würde, die Gesetzeslücke in Bezug auf Entscheidungen am Lebensende zu schließen. Die Luca Coscioni Association begrüßte das Gesetz und nannte es einen Meilenstein der Bürgerrechte, während gegnerische Organisationen wie Pro Vita es scharf kritisierten und es als „barbarisch und unmenschlich“ bezeichneten. Darüber hinaus haben einige rechtsextreme Politiker die verfassungsmäßige Legitimität des Gesetzes in Frage gestellt und die Regierung aufgefordert, es vor Gericht anzufechten. Die Debatte ist noch offen, aber die Toskana hat in der italienischen Rechtslandschaft einen historischen Präzedenzfall in Bezug auf Entscheidungen am Lebensende geschaffen. Jeder sollte das Recht haben, selbst zu entscheiden, wie er stirbt.























































